Archive for the battlefield Category

Gegenwind und Lob

Posted in battlefield, Gegner on Dezember 3, 2014 by lawen4cer

Wer im Bereich Litigation positives Feedback erwartet, ist falsch in dem Bereich. Das Feedback der Gegenseite besteht zu 99,9 % darin einem stets und immer zu Schreiben und zu sagen, wie sehr man doch im Unrecht sei, dass die vertretene Rechtsauffassung völlig absurd sei und man von der Rechtslage doch gar keine Ahnung habe. Das liest man in jedem Anwaltsschreiben, jedem Schriftsatz und hört es in jedem Verhandlungstermin von der gegenseite und wenn es schlimm kommt auch mal vom Richter. Wenn man den Rechtsstreit dann trotzdem gewonnen hat, bekommt man natürlich auch kein Entschuldigungsschreiben, das einem nachträglich doch Recht gibt.

Auch die Gerichte sind da keine Hilfe, findet man doch in den entsprechenen Urteilen kaum einen direkten Hinweis darauf, dass der Erfolg des Verfahrens auf der Leistung des Anwalts beruht. Wer in einem Urteil hin und wieder mal eine Floskel „wie die Klägerin hierzu  zutreffend ausführt….“ lesen darf, kann das schon als große Anerkennung verbuchen.

Tatsächlich ist es eher so, dass Ärger und Frust der Gegenseite ein gutes Zeichen darstellen. Neulich saß ich in einem außergerichtlichen Vergleichsgespräch und durfte mir fast 2 Stunden lang anhören wie unglaublich unfair die Gegenseite unsere geltend gemachten Forderungen findet…gut formaljuristisch mag da ja vielleicht was dran sein, aber trotzdem unfair!11! Und das von einem Wirtschaftsunternehmen. Frust bedeutet fast immer Schwäche. Ein Gegner, der meine rechtliche Argumentation widerlegen kann, hat es nicht nötig zu jammern, zu schimpfen oder zu beleidigen. Er kann entspannt sein. Wer schimpft und schreit ist getroffen und verliert offensichtlich Blut. Und wie hieß es so schön bei Predetor? “ Wenn es blutet, kann man es töten

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Kollege Sturkopf

Posted in battlefield, Gegner on Juli 23, 2014 by lawen4cer

Kollege Sturkopf von der Gegenseite hat so seine ganz eigene Vortragsweise. Er wiederholt nämlich unermüdlich das Gleiche. Abweichende Tatsachen interessieren ihn dabei nicht. So beklagt er unter Anderem  permanent „die fragwürdige Verfahrensweise“ unserer Mandantin in Sachen X. Wir haben mehrfach dargelegt, weshalb wir diese Verfahrensweise für rechtlich korrekt halten und er war weder gewillt noch in der Lage dagegen Argumente ins Feld zu führen, die seine Sichtweise stützen könnten. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen weiterhin in Sachen X stets von der „fragwürdigen Verfahrensweise“ zu sprechen.

Das ist  gefährlich, da sich der Rechtsstreit lang und zäh gestaltet. Man sollte den Effekt permanenter Wiederholungen  nicht unterschätzen. Kollege Sturkopf kann auf diese Weise durchaus Richter ins Koma quatschen, wenn man ihm nicht in die Stimme fällt. Richter sind auch nur Menschen und durch diese Methode der ständigen Wiederholung einer negativen Bezeichnung für einen Sachverhalt kann da auf Dauer im Hinterkopf  etwas hängen bleiben –  „fragwürdig“. Weshalb ich dieser Behauptung stets aufs neue sprachlich entgegentrete und immer von der „rechtlich gebotenen Vorgehensweise“ in Sachen X schreibe. Da sich die Parteien über viele knifflige Fragen streiten, macht dieses beiderseitige Vorgehen die Schriftsätze lang und weilig. Voll von endlosen Wortphrasen auf beiden Seiten.

Zu Eigen gemacht

Posted in battlefield, Feld-Wald-Wiese, Gegner on Juli 21, 2014 by lawen4cer

Ich wundere mich ja immer wieder, wie viele Kollegen aus einem Rechtsstreit des Mandanten eine für sich persönliche Angelegenheit zu machen scheinen und sich geradezu persönlich darüber beleidigt geben, dass man es wagt eine abweichende Rechtsauffassung zu vertreten (und dann sogar noch damit das Gericht überzeugt). Besonders oft fällt mir das bei kleinen Feld-Wald-Wiese Kollegen auf, deren Schriftsätze sich ohnehin mehr aus emotionalen Betrachtungen über die Schlechtigkeit der Welt an sich und meiner Partei im Besonderen zusammensetzen, als aus rechtlich fundierten Betrachtungen oder hilfreichem Sachvortrag. Vielleicht verlangt es auch ja die dortige Mandantenzielgruppe, dass man Kollegen vor dem Gericht kaum grüßt und während der ganzen Verhandlung bitterböse und verkniffen anschaut.

Einem Syndicuskollege gingen die Nerven sogar soweit durch, mich in einem Telefonat recht ausfallend zu beschimpfen, wir würden doch ohnehin nur dafür bezahlt, das gesamte Projekt zu verzögern und zu verhindern. Dass das „Projekt“ erheblich zu Lasten unseres Mandanten gehen sollte, damit sein Mandant sich eine goldene Nase verdienen kann, schien ihm in seinem rechtschaffenden Zorn wohl entfallen zu sein. Oder er kam nicht mehr zu dieser Stelle seiner Ausführungen, weil ich vorher einfach den Hörer auflegte.

Aus anderem Holz war dagegen der Kollege geschnitzt, der in den Schriftsätzen zwar unnachgiebig für seinen Mandanten stritt, im persönlichen Umgang gleichwohl ausgesprochen freundlich und kollegial war. Er wusste wohl auch, dass es nicht SEIN Rechtstreit war den er da führte und er bei einem etwas anderen Verlauf der Welt genauso gut die Gegenseite hätte vertreten können.