Chance und Risiko

Eines der wichtigsten Dinge in einem Rechtsstreit ist es, den Wert des eigenen Blattes zu kennen. Also die Einschätzung, welche Erfolgschancen man im Fall einer gerichtlichen Auseinandersetzung tatsächlich hat und welche möglichen Giftpfeile die Gegenseite noch so im Köcher haben könnte (einstweilige Verfügungen, Pressekampagenen etc.). Im Verhältnis zur Gegenseite wird man sich natürlich immer aufblasen und die eigene Darstellung der Rechtslage als die einzig Wahre anpreisen – auch wenn sie in Wahrheit auf eher wackeligen Argumenten steht, aber intern sollte man immer seine Chancen kennen. Eigentlich eine Binsenweisheit nicht wahr? Gerade deshalb erstaunt es mich, wie oft und gerne Kollegen mit gehörigem Anlauf gegen eine Mauer anrennen und sich dann eine blutige Nase holen. Dabei gäbe es neben dem Einrennen der Mauer noch viele andere Optionen, drumherumgehen zum Beispiel oder darübersteigen. Gerade eben habe ich wieder mit einem Kollegen auf der gegenseite telefoniert und ihn darüber informiert, dass seine Mandantin gerade dabei ist die Hand auf die heiße Herdplatte zu legen. Statt aber nun zu überlegen, ob diese Platte tatsächlich heiss sein könnte, referierte der Kollege lieber darüber, dass es ja wohl das gute Recht seiner Mandantin sei, ihre Hand hinzulegen wo sie wolle. Na dann…

Advertisements

Eine Antwort to “Chance und Risiko”

  1. Danke für diesen Beitrag, Herr Kollege. Ich durfte mich neulich mit einer Kollegin in einem einstweiligen Verfügungsverfahren herumstreiten, die

    1.) nicht wusste, dass man nach Rücknahme des Widerspruchs jederzeit wieder Widerspruch einlegen kann,

    2.) nicht wusste, warum zur Abschlusserklärung aufgefordert wird bzw. was eine solche überhaupt ist und

    3.) mir infolge des obigen Unwissens unterstellte, ich wolle nur eine Einigungsgebühr kassieren, als ich anbot, meinen bereits gestellten Ordnungsgeldantrag nicht weiter zu verfolgen, wenn ihre Partei im Gegenzug eine Abschlusserklärung abgibt und die Kosten trägt.

    Als ich ihr sagte, dass ich längst Hauptsacheklage erhoben hätte, wenn es mir nur um die Gebühren ginge, standen in ihrem Gesicht lauter Fragezeichen.

    Dass das Ordnungsgeld mutmaßlich deutlich höher ausfallen würde als die Einigungsgebühr, schien sie auch nicht zu interessieren.

    Übrigens: die Kollegin trägt einen Doktortitel.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: