Archiv für März, 2015

Chance und Risiko

Posted in Uncategorized on März 24, 2015 by lawen4cer

Eines der wichtigsten Dinge in einem Rechtsstreit ist es, den Wert des eigenen Blattes zu kennen. Also die Einschätzung, welche Erfolgschancen man im Fall einer gerichtlichen Auseinandersetzung tatsächlich hat und welche möglichen Giftpfeile die Gegenseite noch so im Köcher haben könnte (einstweilige Verfügungen, Pressekampagenen etc.). Im Verhältnis zur Gegenseite wird man sich natürlich immer aufblasen und die eigene Darstellung der Rechtslage als die einzig Wahre anpreisen – auch wenn sie in Wahrheit auf eher wackeligen Argumenten steht, aber intern sollte man immer seine Chancen kennen. Eigentlich eine Binsenweisheit nicht wahr? Gerade deshalb erstaunt es mich, wie oft und gerne Kollegen mit gehörigem Anlauf gegen eine Mauer anrennen und sich dann eine blutige Nase holen. Dabei gäbe es neben dem Einrennen der Mauer noch viele andere Optionen, drumherumgehen zum Beispiel oder darübersteigen. Gerade eben habe ich wieder mit einem Kollegen auf der gegenseite telefoniert und ihn darüber informiert, dass seine Mandantin gerade dabei ist die Hand auf die heiße Herdplatte zu legen. Statt aber nun zu überlegen, ob diese Platte tatsächlich heiss sein könnte, referierte der Kollege lieber darüber, dass es ja wohl das gute Recht seiner Mandantin sei, ihre Hand hinzulegen wo sie wolle. Na dann…

Schlagabtausch BGH Richer Fischer vs. Renate Künast

Posted in Uncategorized on März 18, 2015 by lawen4cer

Der juristisch versierte Leser wird es bereits mitbekommen haben – für alle Anderen: Der Richter am Bundesgerichtshof Thomas Fischer und Frau Renate Künast liefern sich gerade in der ZEIT einen lesenswerten Schlagabtausch zur diskutierten Verschärfung des Sexualstrafrechtes.

Fischer beschrieb seine Eindrücke einer Expertenanhörung

Unser Sexualstrafrecht ist bereits von einer kaum zu überbietenden Dichte, Schärfe und Kompliziertheit. Wir sollten es endlich einmal in Ruhe lassen.

Renate Künast Widersprach

Bundesrichter Fischer hat in seiner Kolumne behauptet, im Sexualstrafrecht bestehe kein Handlungsbedarf. Diese These ist aber falsch, ebenso wie sein Politikverständnis.

Fischer kontert

Lassen wir die Persönlichkeitsbeschreibungen und Mutmaßungen einmal beiseite: Dass ich eine rechtspolitische Meinung vertrete, weil ich daran „einen Narren gefressen“ habe, ist eher unwahrscheinlich; ebenso, dass Sie von Feministinnen „infiltriert“ sein könnten (was immer das bedeuten mag). Dass Sie – schon in der Überschrift – die Kinderfilmsparte zitieren, um meine Marginalität und Ihre eigene Großmächtigkeit zu feiern, ist, sagen wir: eine literarische Geschmackssache.  

Sehr lesenwert.