Zu Eigen gemacht

Ich wundere mich ja immer wieder, wie viele Kollegen aus einem Rechtsstreit des Mandanten eine für sich persönliche Angelegenheit zu machen scheinen und sich geradezu persönlich darüber beleidigt geben, dass man es wagt eine abweichende Rechtsauffassung zu vertreten (und dann sogar noch damit das Gericht überzeugt). Besonders oft fällt mir das bei kleinen Feld-Wald-Wiese Kollegen auf, deren Schriftsätze sich ohnehin mehr aus emotionalen Betrachtungen über die Schlechtigkeit der Welt an sich und meiner Partei im Besonderen zusammensetzen, als aus rechtlich fundierten Betrachtungen oder hilfreichem Sachvortrag. Vielleicht verlangt es auch ja die dortige Mandantenzielgruppe, dass man Kollegen vor dem Gericht kaum grüßt und während der ganzen Verhandlung bitterböse und verkniffen anschaut.

Einem Syndicuskollege gingen die Nerven sogar soweit durch, mich in einem Telefonat recht ausfallend zu beschimpfen, wir würden doch ohnehin nur dafür bezahlt, das gesamte Projekt zu verzögern und zu verhindern. Dass das „Projekt“ erheblich zu Lasten unseres Mandanten gehen sollte, damit sein Mandant sich eine goldene Nase verdienen kann, schien ihm in seinem rechtschaffenden Zorn wohl entfallen zu sein. Oder er kam nicht mehr zu dieser Stelle seiner Ausführungen, weil ich vorher einfach den Hörer auflegte.

Aus anderem Holz war dagegen der Kollege geschnitzt, der in den Schriftsätzen zwar unnachgiebig für seinen Mandanten stritt, im persönlichen Umgang gleichwohl ausgesprochen freundlich und kollegial war. Er wusste wohl auch, dass es nicht SEIN Rechtstreit war den er da führte und er bei einem etwas anderen Verlauf der Welt genauso gut die Gegenseite hätte vertreten können.

7 Antworten to “Zu Eigen gemacht”

  1. Mal einen Chauvi-Kommentar aus eigener langjähriger Berufserfahrung: ein solches Büttelverhalten von Kollegen habe ich fast ausschliesslich bei Jungkollegen und nahezu durchweg bei Kolleginnen erleben dürfen. Beide haben/hatten das juristisch Machbare bei Gericht durch ihr Auftreten vollkommen aus dem Auge verloren. Dies ist insbesonder zu beobachten, wenn der Mandant bei Gericht dabei ist; lieber krakelen und verlieren, statt noch halbwegs etwas zu retten.
    Seltsamerweise bekomme ich ab und ausschliesslich DURCH DRITTE von Mandanten im Nachgang zu hören, ich hätte durch mein ruhiges Verhalten bei Gericht, deren Interessen nicht hinreichend vertreten !!

    Kann mal bitte jenand Salesch & Co verbieten !!! Und mir jemand Nachilfe als Anwalt bei einschlägigen Fernsehkollegen vermitteln ?! Ach, und einen Detektiv, den ich aus eigener Tasche selbstverständlich bezahle, wäre auch von Nöten, da VKH-Mandanten.

    • Ich kann nicht ausschließen, dass es eine Mandantenzielgruppe gibt, die ein solches Verhalten von ihrem Anwalt erwartet. Man hört ja öfter die Klage von Naturalparteien, die darüber klagen, der Anwalt habe nicht „genug gekämpft“. Diese Leute wissen eben nicht – gefördert noch durch Sendungen ala Salesch, dass in der mündlichen Verhandlung nicht mehr wirklich viel Relevantes passiert, weil alles schon vorher in den Schriftsätzen erörtert wurde.

  2. „Aus anderem Holz war dagegen der Kollege geschnitzt, der in den Schriftsätzen zwar unnachgiebig für seinen Mandanten stritt, im persönlichen Umgang gleichwohl ausgesprochen freundlich und kollegial war. “

    Ich habe das Gefühl, dass das Verhalten der Anwälte von Stadt zu Stadt variiert. Im ländlichen Bereichen ist es mehr ein Miteinander.

    Nirgendwo habe ich so viele persönliche Angriffe wie in Frankfurt einstecken müssen. In Stuttgart ist der Umgang deutlich freundlicher.

  3. Falbala146 Says:

    Leider gibt es auch – zum Glück nicht so häufig – Richter, die eher emotional argumentieren und dabei gerne die rechtlichen Grundlagen komplett ignorieren. Neulich las ich in einem Urteil einer Amtsgerichts-Richterin aus einem der neuen Bundesländer die Aussage „es mag sein dass der Beklagte sich in Verzug befunden hat. Diesen Verzug hat jedoch nicht der Beklagte zu vertreten, sondern die Klägerin… die als Dienstleister hätte bemüht sein müssen…“ und so weiter. Der Verbraucher hat immer recht, und wenn er mal unrecht hat, dann ist der böse Konzern auf der anderen Seite schuld.

    Weiter stelle ich fest, dass nicht Anwältinnen und Berufsanfänger (sehr schön, dass beide in einen Topf geworfen werden…) diejenigen sind die sich so irrational aufführen, sondern häufig ältere Mannsbilder vom Typ „goldener Siegelring am Finger, dicker Bierbauch, kennt den Richter noch aus dem Referendariat und den Mandanten aus dem Kegelclub oder aus irgendwelchen politischen Gremien und hat per se IMMER recht“.

    • Tja so pflegt ein jeder seine Lieblingsklischees. Meine Beobachtung war nicht auf einen besonderen Typus beschränkt. Vor irrationalen Urteilen der Amtsgerichte schützt im Regelfall nur die nächste Instanz.

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