Der Feminismus scheitert in Russland

Auf der Freitag ist ein Artikel erschienen, der darüber berichtet, dass der Feminismus in Russland gesellschaftlich – und insbesondere auch von den Frauen dort – abgelehnt wird. Nach einer kurzen Schilderung der russischen Verhältnisse (Frauen bevorzugen stark feminine Kleidung, haben einen stark ausgeprägten Kinderwunsch, die Rolle des Mannes ist der des starken Ernährers) beschreibt der Artikel weiter, wie von deutscher Seite gezielt versucht wird die russischen Frauen zum Feminismus zu „bekehrern“.

Die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung ist eine von vielen westlichen Organisationen, die das korrigieren will. Eines ihrer Ziele ist es, russischen Frauen Gleichstellung nach westlichem Vorbild beizubringen. Auf ihrer russischen Website steht Genderdemokratie gleich an zweiter Stelle, noch vor Ökologie und dem internationalen Dialog. Etliche Projekte wurden bereits ins Leben gerufen, um Russinnen Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und den Willen zu mehr politischer Teilhabe nahezubringen. Doch bisher mit wenig Erfolg. In Russland wollen sich Frauen nicht mit Gender und Feminismus befassen.

Diese Versuche scheitern jedoch bislang. Russische Frauen wollen vom (deutschen) Feminismus nichts wissen. Und das liegt zumindest nicht etwa an mangelnder Bildung russischer Frauen:

Die westliche Gender-Entwicklungshilfe wird nicht nur von der Mehrheit der russischen Frauen abgelehnt, sondern offen attackiert. Dabei sind es oft gebildete und erfolgreiche Frauen, die Feminismus und Gendermainstreaming verdammen.

Die erfolglosen Exporteure des deutschen Feminismusverständnis begründen ihr bisheriges Scheitern wie folgt:

Die deutsche Genderexpertin Brigitta Godel schreibt, die patriarchale, repressiv-autoritäre russische Kultur und der Geschlechtertraditionalismus hätten in Russland die Gleichstellung vereitelt. Die Russen hätten Stereotypen von Mann und Frau verinnerlicht sowie Hierarchien bei den Rollenzuschreibungen. Russische Männer hätten einen „zurückgestauten Machtanspruch“, der jetzt wieder auflebe. Und: Die Überflutung der russischen Gesellschaft mit Pornos trage zu anhaltender Diskriminierung von Frauen bei.

Weil es Pornos gibt und Patriarchat herrscht, kann der Feminismus nicht erfolgreich sein? Diese Begründung erscheint skuril, denn erstens herrscht doch angeblich auch hierzulande  nach feministischer Sicht das Patriarchat und Pornographie gibt es auch zuviel.  Zweitens ist es doch angeblich gerade das Ziel des Feminismus solche Zustände zu überwinden. „Der Feminismus zur Abschaffung des Patriarchats kommt bei Frauen nicht an, weil Patriarchat herrscht“? Wann finden Frauen denn Femismus gut – wenn das Patriarchat schon weg ist?

Bemerkenswerterweise weist der Freitag noch daraufhin, dass im antifeministischen Russland die Berufstätigkeit von Frauen akzeptierter ist als bei uns und die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen zumindest geringer sind als im feminismusfreundlicheren Deutschland.

Insgesamt sind die wirtschaftlichen Verhältnisse von Männern und Frauen in Russland gleicher als diejenigen in Deutschland. Frauen in Führungspositionen fehlen in beiden Ländern fast im gleichen Maße. Auch was Gesundheit und Bildung angeht, liegt Russland im Ranking vorn. Nur in der Politik sind russische Frauen deutlich weniger vertreten.  

5 Antworten to “Der Feminismus scheitert in Russland”

  1. Interessanter Artikel! Der Ansatz scheint ja zu sein, dass das Patriarchat dort so stark ist, das Frauen keine Chance sehen dagegen anzukämpfen. Erscheint mir aber auch unlogisch.

    • Wobei die Kriterien für die Frage, ob überhaupt ein Patriarchat vorliegt (Lohnunterschied, Berufstätigkeit etc.) sich ja nicht wesentlich von Deutschland unterscheiden.

  2. Im nächsten Leben möchte ich auch als Frau zur Welt kommen: alle Vorteile abgreifen, nie für irgendwas verantwortlich sein und für jede Unbefindlichkeit dem Mann die Schuld geben – herrlich.

    • Frauen verhalten sich gegenüber Männern so wie jüngere Geschwister gegenüber ihren älteren: Sie wissen nicht was sie wollen und wollen daher immer das was die große Schwester/Bruder hat. Anstatt immer den Mann als Maßstab und Grundlage für alles zu nehmen empfehle ich den lieben Mädels doch mal was wirklich „eigenes“ zu erschaffen und sich von dieser Denkweise zu lösen alles auf den Mann zu projizieren. Dann kann es auch eine gesunde Gleichberechtigung geben – Jedoch entwickelt sich das ganze inzwischen so, dass es auf kurz oder lang schädlich für die Gesellschaft sein wird; von der die Frauen übrigens auch ein Teil sind!

  3. Habe gerade deinen sehr guten Blog entdeckt. Werde ihn gleich mal bei mir verlinken.

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    Maskulistische Grüsse,
    Manifold

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