Archiv für Februar, 2012

Alice Schwarzer kassiert einstweilige Verfügung für „Unwort des Jahres“

Posted in Feminismuskritik, Kachelmann on Februar 29, 2012 by lawen4cer

In einem früheren Beitrag hatte ich schon darauf hingewiesen, dass die Zeitschrift EMMA „Unschuldsvermutung“ und „einvernehmlicher Sex“ zum Unwort des Jahres erklärt bzw. vorgeschlagen hatten. Das Ganze hat nun auch ein juristisches Nachspiel, denn das Landgericht Köln hat hierzu nun eine einstweilige Verfügung gegen Frau Schwarzer erlassen:

Für die Details sei auf die Presserklärung des Kollegen Höcker verwiesen.

„Obgleich das Landgericht Mannheim den Wettermoderator und Unternehmen vom Vorwurf der Vergewaltigung einstimmig und rechtskräftig freigesprochen hatte, suggerierte Alice Schwarzer den Lesern ihrer Publikation EMMA zum wiederholten Male anderes: Sie nutzte die Wahl des Unwortes 2012, um zwei eigene Unworte vorzuschlagen, nämlich “einvernehmlicher Sex” und “Unschuldvermutung”.

Es ist nicht das erste und auch nicht das zweite Mal, dass Alice Schwarzer eine gerichtliche Verfügung kassiert, weil sie unzulässigerweise in ihrer Berichterstattung den Eindruck zu erwecken versucht, dass Jörg Kachelmann eine Vergewaltigung begangen habe, obwohl er von diesem Vorwurf freigesprochen worden ist.

Der gern erhobene Vorwurf des „victim blaming“

Posted in Feminismuskritik on Februar 29, 2012 by lawen4cer

Wenn Ihnen ein Polizist raten würde, Ihre Haustür doch besser mit einem Sicherheitsschloss aufzurüsten, um die Gefahr eines Einruches zu verringern oder Sie darauf hinweist, dass es Nachts in bestimmten Stadtviertel gefährlich sein könnte mit derart protzigem Schmuck herumzulaufen, weil Sie dadurch schnell Opfer eines Raubes werden könnten – fänden sie das angemessen? Oder wären Sie empört, weil Ihnen hier „als Opfer“ eine „Mitschuld“ unterstellt wird? Würden Sie den Polizisten beschimpfen und für ihr Recht auf unverschlossene Türen, Schmuck und nächtliche Spaziergänge demonstrieren?

Im Bereich der Prävention von Sexualstraftaten sieht das oft genau so aus. Ratschläge, die sich an Frauen richten und zum Inhalt haben die Gefahr eines sexuellen Übergriffes zu mindern werden hier schnell als „victim blaming“ verschrien. Es wird unterstellt, dass damit dem Opfer eine Teilschuld (z.B. an einer Vergewaltigung) zugeschoben werden soll. Ein sehr drastischer Auswuchs waren die sog. „Slutwalks“ im letzten Jahr, bei denen oft leichtbekleidete Frauen dagegen demonstrierten, dass Ihnen aufgrund ihrer Bekleidung eine Mitverantwortung an Übergriffen gegeben wird.

 Im Blog der Mädchenmannschaft wird dazu eine aktuelle Kampagne des Münchener Kulturzentrums unterschwellig kritisiert, weil Sie sich an die potentiellen Opfer wendet und nicht an potentielle Täter.

„Es lässt sich darüber streiten, warum sich eine Kampagne gegen sexualisierte Gewalt in erster Linie an (potentiell) Betroffene und nicht an (potentielle) Täter richtet“

Besonders aber regt sich die Mädchenmannschaft darüber auf, dass ein Polizist den Ratschlag erteilt, dass Frauen das Risiko einer Vergewaltigung mindern könnten, wenn sie es vermeiden sich öffentlich stark zu betrinken:

Samietz sagt, dass auch Frauen “wahnsinnig viel trinken und dann nichts mehr wissen”. Würde weniger getrunken, hätte man weniger Fälle von sexuellen Übergriffen.

Hier sieht die Mädchenmannschaft (mal wieder) einen Fall von „victim blaming“ und entsprechend rot:

Es scheint nach wie vor völlig legitim zu sein, den Fokus nicht auf eine konsequente Täterarbeit zu richten, sondern potentiell Betroffenen Ratschläge zu erteilen, um ihnen im Fall eines Übergriffs deren Nichtbefolgung vorzuwerfen und somit eine Mitschuld an sexualisierter Gewalt zu geben. Alkoholkonsum, Kleidung und Aussehen von Betroffenen zählen nach wie vor zu den beliebten Erklärungsmustern, wenn es um Vergewaltigung geht.

Konsequente Täterarbeit? Hier wird offenbar davon ausgegangen, dass die Polizei nicht potentiellen Opfern raten darf, wie sie eine Straftat verhindern können, sondern das die Polizei lieber den potentiellen Tätern sagen soll, doch bite bitte künftig nicht zu vergewaltigen. Das Problem bei dieser Sichtweise ist – dass sie bei aller politischen Korrektheit -niemandem nützt. Natürlich hat eine Frau „das Recht“ auch leichtbekleidet und im Extremfall sturzbetrunken nachts in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein, ohne das dies als Rechtfertigung für einen Übergriff herhalten kann.

Aber genauso gut habe ich das Recht meine Wohnungstür unverschlossen und sperrangelweit offen zu lassen, wenn ich das Haus verlasse. Wenn ich mich dann nach meiner Rückkehr bestohlen finde muss mir klar sein, dass ich die Gefahr trotzdem durch eigenes (rechtlich zulässiges Verhalten) vergrößert habe.

Es ist nicht angebracht einem tatsächlichen Opfer einer Straftat hinterher zu sagen, es sei „selber schuld“. Schon gar nicht kann ein Straftäter dadurch entlastet werden. Wenn es aber um Verbrechensprävention geht, halte ich es durchaus für angebracht aufzuzeigen, dass ein gewisses Verhalten die Gefahr eines entsprechenden Verbrechens vergrößert. Und zwar unabhängig davon, ob wir das jetzt doof finden oder wir dieses Verhalten als gesellschaftlich zulässig erachten. Risiko bleibt Risiko. Und gegen ein Verbrechen zu demonstrieren führt kaum zu dessen Verhinderung bei. Und die öfter wiederkehrende Idee, eine Kampagne zur Verbrechensprävention sollte sich doch bitte nicht an die Opfer sondern die Täter richten halte ich für einfach nur naiv. Dem Täter wird bereits durch die Strafbarkeit seiner Tat signalisiert, dass sein Verhalten gesellschaftlich nicht legitimiert ist.

Wenn jemand sie also davor warnt, nachts allein einen Wald zu betreten, weil ein Bär sie dort anfallen könnte, würden Sie dann auch wütend entgegen „sag das doch dem Bären und nicht mir, denn es ist mein gutes Recht auch nachts durch den Wald zu schlendern“? Oh ich weiss, die Frage ist nicht ganz fair, denn natürlich hinkt mein kleiner Vergleich. Ein Bär ist einer rationalen menschlichen Ansprache ja gar nicht zugänglich, er folgt nur seinen eigenen momentanen Instinkten ohne sich darüber moralische Gedanken zu machen. Ein Vergewaltiger ist da natürlich ganz anders.  Nicht.

 Exkurs: Teilweise wird angezweifelt, ob zwischen dem von der Polizei kritisierten leichtsinnigen Verhalten einer Frau und einem nachfolgenden Übergriff überhaupt ein Zusammenhang besteht, weil in der Praxis angeblich die entsprechenden Opfer ohnehin nicht dem Klischee „leichtbekleides Mädchen“ wurde Opfer vom „fremden Mann im dunklen Park“ entsprechen würden. Wenn dies der Fall sein sollte, dann ist der Ratschlag der Polizei zwar sinnlos aber noch immer kein Fall von „victim blaming“.

Der Feminismus scheitert in Russland

Posted in Uncategorized on Februar 13, 2012 by lawen4cer

Auf der Freitag ist ein Artikel erschienen, der darüber berichtet, dass der Feminismus in Russland gesellschaftlich – und insbesondere auch von den Frauen dort – abgelehnt wird. Nach einer kurzen Schilderung der russischen Verhältnisse (Frauen bevorzugen stark feminine Kleidung, haben einen stark ausgeprägten Kinderwunsch, die Rolle des Mannes ist der des starken Ernährers) beschreibt der Artikel weiter, wie von deutscher Seite gezielt versucht wird die russischen Frauen zum Feminismus zu „bekehrern“.

Die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung ist eine von vielen westlichen Organisationen, die das korrigieren will. Eines ihrer Ziele ist es, russischen Frauen Gleichstellung nach westlichem Vorbild beizubringen. Auf ihrer russischen Website steht Genderdemokratie gleich an zweiter Stelle, noch vor Ökologie und dem internationalen Dialog. Etliche Projekte wurden bereits ins Leben gerufen, um Russinnen Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und den Willen zu mehr politischer Teilhabe nahezubringen. Doch bisher mit wenig Erfolg. In Russland wollen sich Frauen nicht mit Gender und Feminismus befassen.

Diese Versuche scheitern jedoch bislang. Russische Frauen wollen vom (deutschen) Feminismus nichts wissen. Und das liegt zumindest nicht etwa an mangelnder Bildung russischer Frauen:

Die westliche Gender-Entwicklungshilfe wird nicht nur von der Mehrheit der russischen Frauen abgelehnt, sondern offen attackiert. Dabei sind es oft gebildete und erfolgreiche Frauen, die Feminismus und Gendermainstreaming verdammen.

Die erfolglosen Exporteure des deutschen Feminismusverständnis begründen ihr bisheriges Scheitern wie folgt:

Die deutsche Genderexpertin Brigitta Godel schreibt, die patriarchale, repressiv-autoritäre russische Kultur und der Geschlechtertraditionalismus hätten in Russland die Gleichstellung vereitelt. Die Russen hätten Stereotypen von Mann und Frau verinnerlicht sowie Hierarchien bei den Rollenzuschreibungen. Russische Männer hätten einen „zurückgestauten Machtanspruch“, der jetzt wieder auflebe. Und: Die Überflutung der russischen Gesellschaft mit Pornos trage zu anhaltender Diskriminierung von Frauen bei.

Weil es Pornos gibt und Patriarchat herrscht, kann der Feminismus nicht erfolgreich sein? Diese Begründung erscheint skuril, denn erstens herrscht doch angeblich auch hierzulande  nach feministischer Sicht das Patriarchat und Pornographie gibt es auch zuviel.  Zweitens ist es doch angeblich gerade das Ziel des Feminismus solche Zustände zu überwinden. „Der Feminismus zur Abschaffung des Patriarchats kommt bei Frauen nicht an, weil Patriarchat herrscht“? Wann finden Frauen denn Femismus gut – wenn das Patriarchat schon weg ist?

Bemerkenswerterweise weist der Freitag noch daraufhin, dass im antifeministischen Russland die Berufstätigkeit von Frauen akzeptierter ist als bei uns und die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen zumindest geringer sind als im feminismusfreundlicheren Deutschland.

Insgesamt sind die wirtschaftlichen Verhältnisse von Männern und Frauen in Russland gleicher als diejenigen in Deutschland. Frauen in Führungspositionen fehlen in beiden Ländern fast im gleichen Maße. Auch was Gesundheit und Bildung angeht, liegt Russland im Ranking vorn. Nur in der Politik sind russische Frauen deutlich weniger vertreten.  

Falscheschuldigungsquote bei Vergewaltigung Teil 2 – Wer bietet mehr?

Posted in Uncategorized on Februar 6, 2012 by lawen4cer

Ich hatte bereits vor einiger Zeit ausführlich dargelegt, warum die (gerne ohne konkrete Quellenangabe) immer wieder vorgebrachte Behauptung, es sei erwiesen, dass nur 3 % aller Vergewaltigungsanzeigen Falschbeschuldigungen seien, so nicht aufrecht zu erhalten ist.

Trotzdem wird die Floskel von Feministinnen gerne wieder und wieder irgendwo eingestreut und so vorgetäuscht, dass es sich um eine verbindliche Messgröße handelt.

In der taz wurde nun eine Kriminalhauptkomissarin (u.a.) dazu befragt:

taz: Wie oft täuschen Frauen Gewalt oder Vergewaltigung vor?

Die Quote der Taten, die so eingestuft werden, liegt bei 7 Prozent. Erwachsene Frauen tun das also höchst selten. Wir haben aber bei einer Auswertung in Detmold festgestellt, dass junge Opfer bis 25 Jahre am häufigsten Vergewaltigungen vortäuschen.

Also hier schon sieben Prozent Falschbeschuldigungen und nicht nur drei. Eine genaue Begründung der Hauptkommissarin, wie diese Quote denn eigentlich ermittelt wurde fehlt natürlich. Also auch hier vermutlich wieder Kaffeesatzleserei, denn es darf bezeifelt werden, dass es mit seriöser Wissenschaftlich möglich ist, eine tatsächliche Falschbeschuldigungsquote zu ermitteln.

Bemerkenswert dann noch die Antwort der Politistin auf die Folgefrage, warum denn Frauen überhaupt falsch beschuldigen:

Viele geben die Anzeige nicht freiwillig auf, sondern werden von ihren Freundinnen oder anderen nahestehenden Personen massiv dazu gedrängt. Häufig ist es so, dass sich ein Mädchen mit einem Jungen trifft, von dem die Eltern nichts wissen dürfen. Beim Date will der Junge dann mehr als das Mädchen. Aber das wagt das Mädchen nicht zu sagen und erfindet später den Fremden im Park. Die Mädchen täuschen also keine sexuellen Übergriffe vor, die hat es ja tatsächlich gegeben. Allerdings verändern sie unter dem psychischen Druck die „Rahmenhandlung“, weil sie Angst haben, aufgrund der Vorgeschichte mitschuldig zu werden.

Haben Sie es gemerkt?  Obwohl es in der Frage nur um Falschbeschuldigungen geht, die Mädchen aus Angst vor Ihrer Familie erfinden „weil es sich mit einen Jungen trifft, von dem die Eltern nicht wissen dürfen“ sagt die Kommissarin, dass es den zugrundeliegenden „sexuellen Übergriff“  ja auch dort tatsächlich gegeben habe. Damit setzt sie habe eine einvernehmliche sexuelle Handlung bereits mit einem „Übergriff“ gleich.