EMMA erklärt „Unschuldsvermutung“ zum Unwort des Jahres

Dass die EMMA und ihrer Herausgeberin Alice Schwarzer Probleme mit dem rechtsstaatlichen Verfahrensprinzip der Unschuldsvermutung haben, wurde bereits in der Vergangenheit im Rahmen der Berichterstattung über den Kachelmann Prozess und die Affäre um Dominik Strauss-Kahn mehrfach eindrucksvoll bewiesen.

„Unschuldsvermutung auch für das Opfer“ lautete damals der rhetorische Kunstgriff mit dem versucht wurde, das Recht des Angeklagten, als unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils zu gelten, wenigstens in der eigenen Berichterstattung auszuhebeln.

Aktuell setzt die EMMA noch eins drauf und schlägt auf ihrer Website (etwas versteckt in der linken Randleiste) vor „Unschuldsvermutung“ und „Einvernehmlichen Sex“ zu den Unwörter de Jahres zu erklären:

Nun steht also das „Unwort des Jahres 2011“ fest: „Döner-Morde“. Die Jury der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (fünf Männer, eine Frau) wählte den Begriff, den selbst Innenminister Friedrich verwendete, weil die „folkloristisch-stereotype Etikettierung einer rechts-terroristischen Mordserie“ die Opfer „in höchstem Maße diskriminiert“. EMMA schließt sich der Begründung an, hätte aber auch noch zwei weitere Vorschläge gehabt: „einvernehmlicher Sex“ und „Unschuldsvermutung“. Begründung? Da fragt man am besten Nafissatou Diallo oder Claudia D. oder irgendeine von den 86800 geschätzten vergewaltigten Frauen im Jahr, deren Vergewaltiger nie angezeigt, nie angeklagt oder nie verurteilt wurden.

EMMAonline, 18.01.2012
 
http://www.emma.de/

9 Antworten to “EMMA erklärt „Unschuldsvermutung“ zum Unwort des Jahres”

  1. „Begründung? Da fragt man am besten Nafissatou Diallo oder Claudia D. oder irgendeine von den 86800 geschätzten vergewaltigten Frauen im Jahr, deren Vergewaltiger nie angezeigt, nie angeklagt oder nie verurteilt wurden.“

    Damit dürfte Alice Scharzer als verantwortliche Herausgeberin und Geschäftsführerin ein weiteres mal gegen rechtliche Auflagen verstoßen haben, die ihr verbieten, Herrn Kachelmann als Täter darzustellen. Claudia D. ist die Frau, die behauptete, von Herrn Kachelmann vergewaltigt worden zu sein. Wenn Frau Schwarzer nun meint, man solle am besten u. a. Claudia D. fragen, deren Vergewaltiger nie verurteilt wurde, stellt sie Kachelmann ein weiteres mal als Täter dar.

  2. Vitzliputzli´s Oma Says:

    noch übler ist zensur

  3. cepag:
    Die spinnt. Es ist nun eine objektivierbare Tatsache, dass es zum einen Vergewaltigungen gibt und zum anderen aber auch Falschbeschuldigungen bei einer typischen Vier-Augen Situation. Sie will offensichtlich von der Prämisse ausgehen: „Wenn eine Frau schon so mutig ist, und es anzeigt, dann wird schon was gewesen sein“, also eine Beweislastumkehr bzw. eine Schuldvermutung. Damit wirft sie alle zivilisatorischen Erkenntnisse der letzten 300 Jahre Strafrechtspflege auf den Kopf. In Art. 11 I der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 heißt es: „Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren (…) nachgewiesen ist “. Dieses allen Ernstes als Unwort erklären zu wollen, dazu gehört schon ein außergewöhnliches Maß an Chuzpe. Sie stellt damit auf eine Stufe mit Mobuto, Mugabe, Idi Amin, Kim Jong Il, und wie die anderen Figuren heißen, die von der Unschuldsvermutung nicht viel halten.
    Die Schwarzer hat Verdienste, ist aber nicht mehr ernstzunehmen.

  4. @cepag: Ein mißglücktes Sprachbild:

    Sie „stellt auf den Kopf“ oder
    sie „wirft über den Haufen“, aber nicht:
    sie „wirft auf den Kopf“.

    Sorry.

  5. Die EMMA ist wohl das einzige Medium, dass mit so einer Rechsstaatlich feindlichen Meinungsmache davon kommt. Das ist wirklich krass.

  6. wär schön könnte jemand aus die zitierten aussagen der emma mal verlinken

    • Es gibt keinen direkten Link, weil Emma den Text in einer Seitenleiste ihrer Startseite abgelegt hat. Da führt kein direkter Link hin. Man muss auf der Startseite der EMMA rechts unter „News“ bis zum 18.01.2012 scrollen und dort auf die Überschrift:

      „Döner-Morde“
      EMMAs Vorschlag zum „Unwort des Jahres“

      klicken.

  7. […] einem früheren Beitrag hatte ich schon darauf hingewiesen, dass die Zeitschrift EMMA “Unschuldsvermutung” und “einvernehmlicher Sex” […]

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