Richter Langsam

Am Amtsgericht Hinterhupfingen hat Richter Langsam seine vermutlich letzte Ruhestelle gefunden. Obwohl von mir diverse Verfahren bei Richter Langsam anhängig sind, war es mir noch nicht vergönnt ihn mal von Angesicht zu Angesicht – z.B. in einer mündlichen Verhandlung – zu treffen.

Denn Richter Langsam zeichnet sich nicht gerade durch übermäßigen Eifer aus Verfahren voran zu treiben. Schriftsätze der Parteien werden erst nach Monaten überhaupt mal weitergeleitet, Verhandlungstermine schon gar nicht erst angesetzt. In einem Klageverfahren wurde mir ein gutes Vierteljahr nach Klageerhebung und erst nach gesonderter Nachfrage beim Gericht, widerwillig die Klagewerwiderung der Gegenseite zugestellt. In einem anderen Verfahren beklagt die Gegenseite, einen Schriftsatz von mir erst nach 9 Monaten erhalten zu haben.

Den Vogel schießt ein Verfahren ab, bei dem unser Mandant vor gut 2 Jahren verklagt wurde. Nach einer längeren Phase wechselseitiger Schriftsätze hat die Gegenseite dann vor gut 1 Jahr die Klage erweitert und Verweisung an das Landgericht beantragt. Über diesen simplen Antrag hat Richter Langsam nun seit 1 Jahr nicht entschieden. Ein Verhandlungstermin ist nicht in Sicht.

11 Antworten to “Richter Langsam”

  1. Dienstvorgesetzter Says:

    § 26 II DRiG ??

  2. Kommt mir – wenn auch (noch) nicht ganz so extrem – bekannt vor.🙂

  3. Wie der wohl sein Jurastudium durchgezogen hat…..?

  4. Wenn sich das rumspricht, dann sinkt die Zahlungsmoral im Sprengel aber rapide…😉

  5. Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen, oder einfach mal beim Direktor beschweren. Je nach Direktor und persőnlicher Struktur des Richters könnte es was bringen.

  6. Alleswasrechtist Says:

    Das ist natürlich eine unbefriedigende Situation. Vorstellbar – zumal auf diesem Substantiierungslevel – ist aber sicher auch, dass z.B. die Richterstelle gar nicht (mehr) besetzt ist und da alle paar Wochen ‚mal ein durch seine ureigenen Sachen schon ausgelasteter Vertreter drüberschaut oder etwa die Geschäftsstelle unterbesetzt ist.

    Nach außen ist der Geschäftsgang meist nicht zu erkennen. Im Referendariat sollten wir aber alle mal einen Einblick in die Funktionsweise des Justizapparats gewonnen haben. Mehr oder weniger persönliche Angriffe – ich kann mich nur wiederholen: zumal auf diesem Substantiierungslevel – helfen dann kaum weiter und dürften auch nicht im wohlverstandenen Mandanteninteresse liegen.

  7. Alleswasrechtist Says:

    @ RA Dury

    Der Direktor/Präsident ist nicht Dienstvorgesetzter des Kammer-/Senatsvorsitzenden. Effekt einer diesbezüglichen DA wäre eine Antwort mit Rückbezug auf die entsprechenden gesetzlichen Maßgaben (sprich: sorry, aber man könne nicht helfen).

    Weiterführender könnte eine Eingabe an die/den Präs/in des Obergerichts, das Landesparlament bzw. den/die Justizminister/in sein von wegen die personelle Ausstattung des Gerichts sei unzureichend; ggf. auch ein entsprechender Hinweis gegenüber dem Präsidium des Gerichts verbunden mit der Anregung, die Geschäftsverteilung „neu“ zu ordnen (was aber nur bei hinreichender personeller Ausstattung des Gerichts einen Hauch von – zukünftiger – „Besserung“ verspräche).

    Fraglich bleibt auch, wie sich der Anwalt eines Beklagten – rein praktisch betrachtet – ernsthaft (= im Mandanteninteresse) darüber mokieren kann, die gegen seinen Mandanten gerichtete Klage würde nicht bearbeitet. Evt. wird diese gegen seinen Mandanten gerichtete Klage als weniger erfolgversprechend (= rückstellbar) eingestuft verbunden mit der Einschätzung, die Sache sei nicht vorzuziehen (= erst recht rückstellbar). Die Randumstände, die wir alle im Referendariat kennengelernt haben, einzuschätzen und Folgerungen daraus zu ziehen, wäre ggf. nicht schädlich.

    Die Diskussion in diesem Blog könnte diesbezüglich durchaus Fahrt aufnehmen;-)

    • Direktor eines AG und der Präsident sind nicht gleichzusetzen. Nach § 16 Abs. 1 Nr. 3 AVGVG übt der Präsident dabei sehr wohl die Dienstaufsicht aus. Ich schrieb zudem über einen Amtsrichter, da gibt es weder Kammern noch Senate.

      Ob „die personelle Ausstattung“ des Gerichtes nicht ausreichend ist, vermag ich extern nicht zu beurteilen. Es ist jedenfalls ein zuständiger Richter da, der aber nicht arbeitet. Während es seine Kollegen am gleichen Gericht (!) es tun.

      Ich mokiere mich gar nicht, dass die Klage gegen unseren Mandanten seit 2 Jahren vor sich hindümpelt. Der Fall diente eher als Hinweis, wie weit es dieser Richter im Extremfall so treibt. Stören tun mich eher andere Verfahren bei Richter Langsam sowie die tatsache, dass nicht einmal Schriftsätze weitergeleitet werden.

  8. […] versierte Leser erinnert sich vielleicht noch an Richter Langsam.  Zwischenzeitlich sind sämtliche Verfahren, die ich bei diesem Richter hatte nach und nach auf […]

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