Shitstorm oder: Wenn das Internet zurückrotzt – Nadine Lantzsch Teil 2

Nachdem auch Udo Vetter die Aussagen von Nadine Lantzsch zum Wert des Rechtsstaates und der Aufklärung („von weißen Männern erfundener Rotz“) in einem Beitrag kommentiert hatte, brach im Netz ein ziemlicher Entrüstungssturm über Frau Lantzsch herein. Der Beitrag von Udo Vetter hat derzeit 792 Kommentare. Sucht man bei Twitter in diesen Tagen nach „Lantzsch“ oder „Rotz“ kann man auch hier die Diskussion verfolgen.

Das Thema wird mittlerweile an diversen Stellen besprochen:

Die Bibliothek der Medienelite

Zur Debatte um die Abschaffung des Rechtstaats und des tiefsten Mittelalters.

http://www.internet-law.de/2011/07/der-disput-zwischen-nadine-lantzsch-und-udo-vetter.html

http://www.bildblog.de/31816/rechtsstaat-weekly-world-news-buschi/

http://www.piratenweib.de/der-rotz-von-udo-vetter

Lila Rassismus und Verschwörungstheorien

Udo und die Vetteranen

 Nadine Lantzsch – Vielleicht doch zweimal hinsehen, bevor man mit dem Bashing loslegt.

Auch Frau Lantzsch hat wohl gemerkt, dass allein mit dem Löschen kritischer Kommentare zu ihrem Blogbeitrag 

„Was sachlich und differenziert ist, ist zum Glück Ermessenssache. Ich diskutiere meine Moderationspolitik nicht.“

und schließlich dem Abschalten der Kommentarfunktion im eigenen Blog der Sache nicht  Herr (oder besser Frau) zu werden ist. In einer weiteren Stellungnahme verteidigt sie nun ihre Aussagen.

Nun, spannend, was alles so in Artikel hineingelesen werden kann. Ich gebe zu, meine Kritik an der Aufklärung, war etwas kurz gefasst, zu polemisch, um allgemein verständlich und nachvollziehbar zu sein. Es sind ja bereits ganze Bücher darüber verfasst worden, warum die Aufklärung zuvor durch Gott legitimierte Ungleichheiten in der Gesellschaft lediglich intellektualisiert umcodiert hat. Kant war ein Rassist, der Schriften über Menschenrassen und die “wilden Ureinwohner” verfasst hat. Schriften über Weiße als “überlegene Menschen”, die Vorläufer vom Herrenrassenmodell. Das sind Tatsachen. Dass die französische Revolution und der Kampf der Bürgerlichen um Demokratie zunächst einmal nur die Rechte von Männern absicherte, ist auch Tatsache. Das “allgemeine” Wahlrecht bedeutete das Wahlrecht für Männer, das feministische Bewegungen erst für Frauen erkämpfen mussten. Dass Rassismus eine Legitimationsgrundlage ist, die von den Erben der Aufklärung erfunden und institutionalisiert werden musste, um koloniale Eroberungen trotz Gültigkeit universaler Menschenrechte zu rechtfertigen, das sind ebenfalls Tatsachen. Tatsachen, die zum Allgemeinwissen gehören. Sollten. Auch zu dem von Udo Vetter.“

Im Rahmen ihrer kleinen Geschichtsstunde vergisst Nadine Lantzsch jedoch, dass Kernpunkt der Kritik an Ihren Behauptungen nicht  die akademisch historische Bewertung der damaligen Zustände (also zu Zeiten der Aufklärung) war und auch nicht die Frage, ob man die Ansichten Kants (den Nadine Lantzsch ja einen Rassisten nennt)  eins zu eins noch auf die heutige Zeit übertragen kann. Kern der Kritik war vielmehr die Behauptung von Nadine Lantzsch , auch der heutige Rechtsstaat sei „Rotz“, weil er einen Freispruch von Strauss Kahn möglich macht und dies habe seine Ursache einzig darin, dass der Rechtsstaat von weißen Männern erdacht worden sei um eigene Privilegien zu schützen.

„Was ja am Ende, glaubt mensch an die Macht von Sprache, Texten und Diskursen u.a. dazu führt, dass Wichser wie Strauss-Kahn trotz relativ eindeutiger Beweislage wohl am Ende freigesprochen werden. Begründet wird das dann gern mit dem Rechtsstaatlichkeitsprinzip, der Aufklärung und all dem Rotz, der von weißen europäischen Männern in mächtigen Positionen erfunden wurde, um ihren Besitzstand zu wahren und universale Menschenrechte für ihren eigenen Vorteil zu instrumentalisieren.“

Das ist einwesentlicher Unterschied, der nicht verwischt werden sollte. Die beleidigte Reaktion von Nadine Lantzsch zeigt übrigens auch, dass sie es zwar gewohnt ist derbe auszuteilen, aber Kritik an den eigenen Auffassungen am liebsten als antifeministisches derailing oder schlichtweg „getrolle“ abtut.

„feminismus ist ja auch so ein bisschen perlen vor die säue.“

„übrigens, ihr penner: wir sind nicht nur im netz, wir warten auch offline auf euch.“

(Nadine Lantzsch bei twitter)

Vielleicht wäre es eben doch besser gewesen eine Diskussion mit (ernsthaften) Kritikern im eigenen Blog zu führen, anstatt dort die eigene akademische Deutungs- (und Löschungs)macht gegenüber den Lesern überdeutlich heraushängen zu lassen. Nun ist ihr die Diskussion entglitten und findet eben an anderen Stellen im Netz statt, wo auch Frau Lantzsch kein Hausrecht mehr hat und nur Kommentatoren unter vielen ist und dort auch mit heftiger Kritik und Anfeindungen konfrontiert ist. 

Nadine Lantzsch vertritt übrigens an anderer Stelle auch die Auffassung, dass Migranten das Recht haben rassistisch zu sein.

 Weiterführende Artikel:

Leitkultur Feminismus beim Spiegelfechter

Harter Schlag ins Leere bei der SZ

11 Antworten to “Shitstorm oder: Wenn das Internet zurückrotzt – Nadine Lantzsch Teil 2”

  1. Ach, die lantzschi!
    „Ich gebe zu, meine Kritik an der Aufklärung, war etwas kurz gefasst, zu polemisch, um allgemein verständlich und nachvollziehbar zu sein.“
    Ja, nee, ich bin zu doof um mal eben die Kritik an der Aufklärung zu verstehen?
    Aber, Du kannst ja auch ganz verständlich argumentieren:
    „…die rassistischen wie klassistischen/sozial- und wohlstandschauvinistischen Biases im Artikel von Mariam Lau in der Zeit echauffiert.“
    Da fühle ich mich als Feminist gleich wohler.
    Vielleicht sollte ich in Zukunft besser FeministInnen schreiben.
    „Da hab ich mein Wissen polemisch runtergebrochen. Um diesen Satz zu verstehen, benötigt Mensch einiges an Wissen. Ich muss das nicht zwangsläufig erklären, weil ich das an der ein oder anderen Stelle im Blog schon wissenschaftlich aufgearbeitet habe.“
    Sag´ ich doch. Ich bin doof und Frau Schlau muß auch nicht erklären, warum sie a) sich nicht verstädlich ausdrücken kann und b) was sie eigentlich meint.
    „…und es sei besser Schuldige freizusprechen, als Unschuldige in den Knast zu schicken. Diese Aussagen hätte ich gern im Kontext “Realität” gespiegelt.“
    Na, nu aber. Der „Kontext Realität“. Kontext verstehe ich als ungebildeter (s.o.) Emanz ja noch. Bei dem Begriff Realität gerate ich aber ins schleudern.
    Ein kurzer Blick zur Wikipedia erleuchtet mich ebenfalls nicht.
    Liebe lantzschi was meinst Du eigentlich?
    Und zum Schluß:
    Was ist Frau, wenn sie „Gender & Diversity Kompetenz“ fertig studiert hat?
    Oh, einen habe ich noch:
    „Zwischen Leistungsdruck und Hedonismus groß geworden. Hat sich später für Hedonismus entschieden.“
    Ach so.
    (Alle Zitate original Nadine Lantzsch)

    • Was ist Frau, wenn sie „Gender & Diversity Kompetenz“ fertig studiert hat?
      Die Frage ist weniger, was man ist (was ist man schon, wenn man irgendwas fertig studiert hat?), sondern was man werden kann. Dr. Susanne Baer, die Frau, die das GenderKompetenzZentrum Berlin bis 2010 geleitet hat, ist z.B. jetzt Richterin am Bundesverfassungsgericht… nur mal so.

  2. Zu den (sicher nicht zentralen) historisch-philosophischen Behauptungen, hier eine gute Replik:

    http://denker.net/2011/07/13/die-bibliothek-der-medienelite/

  3. „der heutige Rechtsstaat sei „Rotz“, weil er einen Freispruch von Strauss Kahn möglich macht und dies habe seine Ursache einzig darin, dass der Rechtsstaat von weißen Männern erdacht worden sei um eigene Privilegien zu schützen.“

    Stimmt ja so auch. „Recht“ kann gewährt werden und Staat ist Macht und Herrschaftsinstrument.

  4. Es ist ja einfach: ein Rechtsstaat kann kein Rechtsstaat sein, wenn die Aussage einer Frau nicht für die Verurteilunh des Angeklagten äh ich meine Täters reicht. Die rape culture ist eines der Mittel hegemonialer Männlichkeit und damit Mittel der Absicherung des Patriarchats. Eine Nichtverurteilung ist damit indirekte Frauenunterdrückung

  5. […] Streit um die Aussagen von Nadine Lantzsch zum Rechtsstaat hat ziemliche Kreise […]

  6. […] erst den Shitstorm über Rechtsstaat und Rotz verdaut, tobt eine neue Diskussion durch die feministischen Untiefen des […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: