„Kachelpanik“ Feindbild der rachsüchtigen Lügnerin

In der TAZ ist ein Kommentar von Ilse Lenz erschienen.

„Seit dem Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann, der mit einem Freispruch des Angeklagten endete, ist in Internetforen und unter antifeministischen Bloggern ein neues Motiv aufgetaucht: das Bild des unschuldigen Mannes, der der falschen Beschuldigung einer rachsüchtigen Frau anheimfällt.“

Wenn Frau Lenz meint, dieses Bild sei überraschend „neu aufgetaucht“ legt das die Vermutung nahe, dass ihr die Möglichkeit  einer Falschbeschuldigung von Männern durch Frauen vorher noch nicht in den Sinn gekommen sein kann. Frau Lenz bezeichnet die Angst von Männer das Opfer einer Falschbeschuldigung zu werden demzufolge als „Kachelpanik“.  Sie muss zwar zunächst selbst zugeben, dass der Fall Kachelmann in den Medien irgendwie nicht so toll gelaufen sei, trotzdem sei die zitierte Angst vor der „rachsüchtigen Frau“ unbegründet, denn:

„Wer sich den heterosexuellen Alltag in deutschen Büros und Betten ansieht, wird schnell feststellen, dass diese Bilder wenig mit der Realität zu tun haben.“

Sehr beruhigend. Was diese Bezugnahme auf den angeblichen Büroalltag nun belegen soll bleibt offen. Weil es nicht tagtäglich in unser aller Alltag zu echten oder angeblichen Vergewaltigungen kommt, besteht schon mal keine Gefahr unschuldig in die Mühlen der Justiz zu geraten? Soll das die Botschaft sein? Mit der gleichen Begründung könnte man ebensogut behaupten es gäbe keine Morde. Denn wer sich „den Alltag in Büros und Betten“ anschaut, wird auch hier relativ wenig Mordopfer antreffen

Auch Kachelmann – um beim Beispiel von Frau Lenz zu bleiben – hätte aus seiner persönlichen Alltagserfahrung heraus wohl kaum vermutet innerhalb kurzer Zeit Job, einen Großteil des Vermögens, sein Recht auf Privatleben, seinen guten Ruf und zeitweise sogar seine Freiheit zu verliern. Wohlgemerkt trotz Freispruch. Auch an den Fall Andreas Türck sei an dieser Stelle noch einmal erinnert, der es auch trotz Freispruch bis heute nicht zurück auf den Bildschirm geschafft hat.

Was Frau Lenz nämlich völlig ausklammert ist die Tatsache, dass bei Sexualdelikten bereits der Verdacht bzw. eine Anklageerhebung ausreicht um das Leben des Beschuldigten nachhaltig und dauerhaft zu beeinträchtigen. Umgekehrt kann sich die Beschuldigung eines Prominenten sogar finanziell rechnen, wie man an den Interviews der Kachelmann ehemaligen Geliebten in der BUNTEN sehen kann.

Wer auf diese Tatsachen jedoch hinweist ist nach Auffassung von Frau Lenz als „Antifeminist“ anzusehen.

„Woher rührt dieses brennende Interesse von Antifeministen, die zu solchen Zahlenspielen greifen, ein neues Bild von „Opfermännern“ zu zeichnen? Es hat den Vorteil, dass unter dem Kampfzeichen des Opfers alle Männer gleich werden, während sie im „wirklichen Leben“ oft sehr unterschiedliche Einstellungen zu Gleichheit, Frauen und Geschlecht haben. Studien zeigen: Eine große Gruppe von jungen Männern will Gleichheit in ihren Beziehungen, eine weitere ist verunsichert, der konservative Kern ist auf rund ein Viertel aller Männer geschmolzen. Mit dem Mythos vom Opfer wird eine neue Männerbündelei propagiert.“

Aha. Männer haben also „im wirklichen Leben“  oft sehr unterschiedliche Einstellungen zu Gleichheit, Frauen und Geschlecht. Na sowas. Und Frauen nicht? Verfolgt der Teil der Feministinnen, der Frauen als potentielle Opfer stilisiert nicht die gleichen Interessen?

Frau Lenz führt schlussendlich aus:

„Stellt das neue Bild des Mannes als Opfer einen Fortschritt gegenüber den bisher populären Überlegenheits- und Siegerposen dar? Nein, denn auch das neue Bild des Mannes als Opfer ist tendenziell frauenfeindlich. Aber es ist auch nicht gerade männerfreundlich, läuft es doch auf eine Homogenisierung und Entmündigung aller Männer hinaus. Diesem Bild zufolge ist der einzelne Mann nicht für sein Denken und Handeln verantwortlich, sondern der bedrohlich erscheinenden Frau hilflos ausgeliefert. Kann eine solche Fantasie und Ideologie, nach der die Frau (beziehungsweise die Feministin) der Feind ist, den vielen Männern in ihren verschiedenen Lebenslagen und Zwängen nutzen? Den vielen Männern – und Frauen -, die auf ein gutes Zusammenleben setzen? Wohl kaum.“

Bemerkenswert. Egal ob Täter oder Opfer, der Mann ist immer der Arsch.

Übrigens vermeldet heute die Presse, dass es plötzlich Zweifel an den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Dominik Strauss-Kahn gibt. Zu dumm, dass der Mann schon seinen Job und seine politische Karriere verloren hat. Noch bevor überhaupt Anklage erhoben wurde.

4 Antworten to “„Kachelpanik“ Feindbild der rachsüchtigen Lügnerin”

  1. […] hier den Originalbeitrag weiterlesen: „Kachelpanik“ Feindbild der rachsüchtigen Lügnerin « Enforcer […]

  2. Malte S. Says:

    >>Denn wer sich „den Alltag in Büros und Betten“ anschaut, wird auch hier relativ wenig Mordopfer antreffen<<
    Und ganz sicher noch weniger von denen, nachdem sie Opfer geworden sind… scnr😉

  3. Naja, aber man wird doch wohl zugeben müssen, dass der Begriff „Kachelpanik“ wirklich gut ist. Was diese Spekulationen um das betrifft, was in „Büros und Betten“ – oder Hotels – so Alltag ist oder auch nicht, da sollte man vielleicht zurückhaltender sein, weil z.B. das, was in den kirchlichen Erziehungsheimen etc. so vor sich ging und ganz sicher einen Alltag gebildet haben dürfte, auch nach heutigem Stand der Aufklärung dessen mehr als nur die Grenzen pessimistischer Einschätzung gesprengt hat.

  4. Na ja, was mir zumindest gefühlt aufgefallen ist, ist ein Schwenk in den Kommentaren von „Der ist schuldig“ zu „Der ist unschuldig“ gleich nach Nekanntwerden + ohne weitere Ausleuchtung oder gar einem Abwarten der weiteren Ermittlungen. Auch nicht schön, wenn hier weiter vorverurteilt wird, anscheinend geht es nicht ohne (genausowenig wie es nicht ohne das Einschlagen auf das amderr Geschlecht geht). Da hofft man nur, dass man nie auf diese Menschem im RL trifft.

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