Kachelmann: Reden ist Gold?

Jeder Anwalt und (fast) jeder Richter – sogar ein paar Staatsanwälte – wissen, dass Schweigen das gute Recht eines jeden Angeklagten ist und ihm keinesfalls als Indiz für Schuldigkeit ausgelegt werden darf.

In der normalen Bevölkerung wird dies jedoch oft anders gesehen. Wie der nachfolgende Text aus einem Forum belegt, geht der normale Bürger oft davon aus, dass der unschuldige  Angeklagte ja wohl nicht schweigen müsse, sondern den „Irrtum“ ganz einfach durch Reden „aufklären“ könne. Denn wer nichts zu verbergen hat….

Warum schweigt Kachelmann?

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, sagt das Sprichwort.

Es gibt in unserem Alltag allerdings auch Situationen, in denen Schweigen kein edles Gold ODER Silber, sondern giftiges Blei mit der Schwerkraft uns (und andere) zu versenken, ist:
– Wer zum Beispiel ein Verbrechen, zu dessen Klärung seine Aussage beitragen könnte, mit seinem Schweigen deckt und dies auch weiss, der kann sich zu seiner Rechtfertigung weder auf das oben zitierte Sprichwort beziehen, noch auf sein vermeintliches „Recht zu schweigen“, der macht sich mit seinem Schweigen mindestens moralisch, wenn nicht sogar strafrechtlich, schuldig.
– Eine andere, für viele Menschen widersprüchliche Situation ist die, dass wir uns und anderen mit unserem Schweigen Schaden zufügen, wobei wir uns allerdings auf unser „Recht zu Schweigen“ berufen können. Eine solche widersprüchliche Konstellation ist dann gegeben, wenn ein Beschuldigter vor Gericht lieber schweigt – und er doch gleichzeitig, hinter dem Schutzschirm legitimierten Schweigens, durch allerlei legale und illegale „Tricks und Kniffs“ versucht, vor Gericht und in der Öffentlichkeit die Glaubwürdigkeit „seines mutmasslichen Opfers“ zu zerstören.

Wie verhält es ich mit dem Fall Kachelmann? Es besteht wohl kein Zweifel, dass das „seltsame“ Schweigen Kachelmanns juristisch zu rechtfertigen ist, diese Legitimation beantwortet uns allerdings nicht die Frage, ob dieses Schweigen vor Gericht überhaupt sinnvoll, vernünftig und moralisch gerechtfertigt ist !?

Um die Frage nach „Sinn und Vernunft“ zu beantworten, versuchen wir doch einfach einmal uns in die Situation Herr Kachelmanns zu versetzen. Er ist, wie er und seine Anwälte nicht müde werden zu betonen, von seiner Unschuld überzeugt und er erklärte vor laufender Kamera, der Vergewaltigungsvorwurf seiner Ex-Freundin, der Nebenklägerin, sei einzig und allein „ein grosses Missverständnis“. Danach lies er, abgesehen von einem kurzen Interview nach seiner Haftentlassung, welches keinerlei neue Erkenntnisse zum Tatvorwurf brachte, nur noch seine Anwälte, seine Experten und die ihm wohl gesinnten Massenmedien, für sich sprechen. Der Angeklagte schweigt beharrlich zu den Vorwürfen. Darüber hinaus verweigert er bis heute jegliche freiwillige-aktive Kooperation mit der „seinen Fall“ untersuchenden Kammer.

Ich habe mich gefragt, wie würde ich reagieren, was würde ich tun und lassen, wenn ich wüsste, dass ich völlig zu Unrecht einer Sache angeklagt vor Gericht stehe? Wäre es für die über-überwiegende Mehrheit unter uns nicht so, dass allein der Versuch eines anderen Menschen, uns zu Unrecht etwas anzuhängen, uns und unseren Familien böswillig Schaden zuzufügen, genügt, um jedem Nichtstoiker augenblicklich den Blutdruck hoch steigen zu lassen, unseren Verstand für unseren Gegenschlag zu schärfen und in uns eine volle emotionale Beteiligung, sprich geistige Wachheit, zu erzeugen? Wer von uns könnte in dieser Ausnahmesituation noch ruhig bleiben, wer möchte da weiterhin ernsthaft schweigen und abwarten? Ich könnte es nicht. Selbst wenn unser Vertrauen in den Rechtsstaat durch Negativbeispiele vorbelastet wäre, wer von uns wollte und könnte allein deswegen vor Gericht schweigen, wohl wissend, das er, anders als seine Ankläger, nichts zu verbergen hat?

Wer nicht schon durch das lähmende Bewusstsein ein „zwanghafter Lügner“ oder „unverbesserlicher Krimineller“ zu sein, schachmatt gesetzt wurde, wer auch nicht durch die, von den Medien suggerierte Verschwörungsparanoia, ohne Hoffnung und Glauben an die Gerechtigkeit paralysiert danieder liegt, wer an keiner psychisch-geistigen Behinderung leidet, wer also Herr seiner Sinne und im Besitz eines guten Gewissen ist, der kann und wird nicht anders können, ER WILL REDEN. Er wird als integere Mensch dem Gericht offen und spontan Rede und Antwort stehen, indem er die Bemühungen des Gerichtes die Wahrheit ans Licht zu bringen, nach bestem Wissen und Gewissen unterstützt, wohl wissend, das er sich vor keinem Richter und keinem Gutachter zu scheuen braucht. Wer ein „gutes Gewissen“ sein eigen nennt und fähig ist zu reden, der braucht wahrscheinlich keine Heerschar von cleveren Anwälten, weil er selber motiviert und sehr gut in der Lage ist, mit den Waffen des Wortes in der einen und dem Bewusstsein einer „höheren Gerechtigkeit“ in der anderen, den guten Kampf des Glaubens für Wahrheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Er wird sich durch nichts und niemanden einschüchtern lassen, noch wird er vor Gericht schweigen und einlenken, bis seine Widersacher ihrer Lüge und Bosheit überführt wurden – und er als ein freier, in allen Anklagepunkten gerechtfertigter Mann / Frau, das Gerichtsgebäude verlassen kann.

Das, meiner Ansicht nach einzige Szenarium, in dem es durchaus Sinn macht als Angeklagter vor Gericht zu schweigen, ist dann gegeben, wenn wir „gute Gründe“ haben, die uns zu Recht befürchten lassen, dass uns unsere Aussage und unsere Kooperation mit dem Gericht, selber schwer belasten könnten. Dann gilt das alte Sprichwort: „Reden ist Silber, aber Schweigen ist Gold“. Allerdings könnte dieses Schweigen auch allzu leicht falsch (besser: richtig) verstanden werden. Es soll schliesslich keiner merken, dass wir nur deshalb schweigen, weil wir in Wahrheit etwas zu verbergen haben.

Wie können wir diesem logischen Prestige-Dilemma entkommen?

Der mündige Leser weiss wahrscheinlich schon, welches Puzzle-teil in diesem Bild fehlt?! Was haben wir denn in den Medien über die vergangenen Wochen erlebt? Mehrere theatralisch inszenierte Befangenheitsanträge gegen das Gericht und die voraussehbare Ablehnung voreingenommener Experten der Verteidigung, verbunden mit entsprechend „aufgebrachten“ Medienauftritten der Verteidigung des Angeklagten, welche diese „negativen“ Entscheidungen des Gerichts als willkommenen Anlass benutzten, dem für viele nicht nachvollziehbaren „seltsamen Schweigen des Angeklagten“, endlich eine vermeintlich zusätzliche, öffentliche Legitimation zu verschaffen. Auf diese professionell arrangierte Weise, in „enger“ Zusammenarbeit zwischen Medien und Anwälten, lässt sich sogar aus dem „seltsamen“ Schweigen des Angeklagten Gold machen. Ob dieses aufwendige „Gold-schürfen“ dem Angeklagten allerdings (anders als seinen Anwälten, Experten und den Medien) am Ende auch praktischem Nutzen bringen wird, bleibt abzuwarten. Ich persönlich glaube es nicht.

Für alle anderen Fälle (siehe oben) sollte gelten: „Schweigen ist Silber, aber REDEN IST GOLD“.

Ich hoffe, den meisten Lesern haben sich beim Lesen dieser Argumentation mehrfach die Nackenhaare gesträubt.

11 Antworten to “Kachelmann: Reden ist Gold?”

  1. Tja… das Emmaforum…

  2. So ein Unsinn.

  3. soviel schwachsinn auf einen haufen findet man selten.

  4. Das ist schlicht Demagogie.

  5. Ich frage mich immer wieder, warum Leute meinen ihren Senf zu Sachen abgeben zu müssen, über die sie sich nicht informiert haben.. Herr Kachelmann hat kurz nach der Verhaftung zum Haftprüfungstermin eine 4-stündige Aussage vor Haftrichter und Staatsanwaltschaft gemacht und seine Version der angeblichen Tatnacht erklärt. Diese Aussage wurde laut Medienberichten zu Beginn der Hauptverhandlung verlesen und zusätzlich der Haftrichter als Zeuge gehört. Wo liegt also genau nochmal ihr Problem? Herr Kachelmann schweigt nicht, er will sich offenbar nur nicht weiter äußern, weil er offenbar dem Bisherigen nichts hinzuzufügen hat.
    Leute wie Sie sind wirklich ebenso gefährlich mit Ihrem Halbwissen, wie die Bildzeitung. Lesen Sie einfach die seriösen Zeitungen, dann müssen Sie auch nicht solche sinnlosen Beiträge schreiben, die sich aufgrund ihrer Unwahrheit von vornherein selbst diskreditieren.

  6. eine interessante überlegung – gut geschrieben

  7. […] den Beitrag weiterlesen: Kachelmann: Reden ist Gold? Tags:noch-auf, verbrechen, rung-seine, der-kann, deckt-und, weder-auf, sprichwort, kachelmann, […]

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  9. Veronique Bellrix Says:

    völliger Blödsinn! An seiner Stelle würde ich auch schweigen, vor allem, weil die Gefahr besteht, daß man (Staatsanwalt etc.) meine Aussage falsch interpretiert (ich habe selbst erlebt, daß Gerichtsprotokolle gefälscht werden, Aussagen ebenfalls!). Wie naiv ist die Person, die so einen Schwachsinn schreibt. Auf welchem Planeten lebt er überhaupt? Glauben an die Fairness der Jusitz! Er soll sich lieber fragen, warum das Gericht nicht zuerst die Belastungszeugen vernommen hat? Warum soviele Exgeliebten unter Ausschluß der Öffentlichkeit vernommen werden. Was hat die Mutter oder der Vater des MO mit dem Fall zu tun, etc. etc. Schwerwiegender als Kachelmanns Schweigen sind die viele Lügen des MO! Diese deuten darauf hin, daß die Frau es mit dem Wahrheitsgehalt ihrer Aussage nicht so genau nimmt.

    Was der naive Verfasser dieser naiven Argumentationsweise nicht berücksichtigt, ist die Tatsache, daß der Staatsanwalt Kachelmanns Schuld beweisen muß. Also kann Kachelmann ruhig da sitzen , schweigen und abwarten, ob der Staatsanwalt das schafft. So einfach ist das.

  10. Ich wunderte mich auch immer, warum der Herr Kachelmann schweigte. Allerdings ist das heutzutage ratsam:

    Im folgenden Beitrag wird gezeigt daß selbst ein Fachanwalt für Steuerrecht sich schadete, als er die Fragen des Steuerfahnders beantwortete.

    http://human-stupidity.com/stupid-dogma/human-rights/overcriminalization-dont-talk-to-cops-refuse-search (Leider nur in der Englischen version)

    Es ist toll, daß Blogs interaktiv sind. Der Artikel klang sehr überzeugend, bis ich die Leserantworten las. Daß nämlich der Herr Kachelmann schon alles gesagt hatte was zu sagen war.

    Vielleicht muß man wirklich schweigen bei einen Staatsanwalt und eine Presse die offenbar Rufmord wollen:

    Vielleicht hat er nicht vergewaltigt, aber das Schwein hatte mehrere Frauen. Und er hat die Existenz anderer Freundinnen verschwiegen

    Und das mutmaßliche Opfer, naja, sie hat ein paar Mal gelogen, und am Messer gibt es kein DNA, und die Hämatome passen nicht zu ihrer Geschichte, aber der Rest stimmt.

    Seltsamerweise ist der Kachelmann-Fall in der englischsprachigen Presse völlig unbekannt. Nur http://human-stupidity.com/ berichtet darüber:

    http://human-stupidity.com/awareness/jorg-kachelmann-rape-case

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