Archiv für November, 2010

Kachelmann: Reden ist Gold?

Posted in Uncategorized on November 25, 2010 by lawen4cer

Jeder Anwalt und (fast) jeder Richter – sogar ein paar Staatsanwälte – wissen, dass Schweigen das gute Recht eines jeden Angeklagten ist und ihm keinesfalls als Indiz für Schuldigkeit ausgelegt werden darf.

In der normalen Bevölkerung wird dies jedoch oft anders gesehen. Wie der nachfolgende Text aus einem Forum belegt, geht der normale Bürger oft davon aus, dass der unschuldige  Angeklagte ja wohl nicht schweigen müsse, sondern den „Irrtum“ ganz einfach durch Reden „aufklären“ könne. Denn wer nichts zu verbergen hat….

Warum schweigt Kachelmann?

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, sagt das Sprichwort.

Es gibt in unserem Alltag allerdings auch Situationen, in denen Schweigen kein edles Gold ODER Silber, sondern giftiges Blei mit der Schwerkraft uns (und andere) zu versenken, ist:
– Wer zum Beispiel ein Verbrechen, zu dessen Klärung seine Aussage beitragen könnte, mit seinem Schweigen deckt und dies auch weiss, der kann sich zu seiner Rechtfertigung weder auf das oben zitierte Sprichwort beziehen, noch auf sein vermeintliches „Recht zu schweigen“, der macht sich mit seinem Schweigen mindestens moralisch, wenn nicht sogar strafrechtlich, schuldig.
– Eine andere, für viele Menschen widersprüchliche Situation ist die, dass wir uns und anderen mit unserem Schweigen Schaden zufügen, wobei wir uns allerdings auf unser „Recht zu Schweigen“ berufen können. Eine solche widersprüchliche Konstellation ist dann gegeben, wenn ein Beschuldigter vor Gericht lieber schweigt – und er doch gleichzeitig, hinter dem Schutzschirm legitimierten Schweigens, durch allerlei legale und illegale „Tricks und Kniffs“ versucht, vor Gericht und in der Öffentlichkeit die Glaubwürdigkeit „seines mutmasslichen Opfers“ zu zerstören.

Wie verhält es ich mit dem Fall Kachelmann? Es besteht wohl kein Zweifel, dass das „seltsame“ Schweigen Kachelmanns juristisch zu rechtfertigen ist, diese Legitimation beantwortet uns allerdings nicht die Frage, ob dieses Schweigen vor Gericht überhaupt sinnvoll, vernünftig und moralisch gerechtfertigt ist !?

Um die Frage nach „Sinn und Vernunft“ zu beantworten, versuchen wir doch einfach einmal uns in die Situation Herr Kachelmanns zu versetzen. Er ist, wie er und seine Anwälte nicht müde werden zu betonen, von seiner Unschuld überzeugt und er erklärte vor laufender Kamera, der Vergewaltigungsvorwurf seiner Ex-Freundin, der Nebenklägerin, sei einzig und allein „ein grosses Missverständnis“. Danach lies er, abgesehen von einem kurzen Interview nach seiner Haftentlassung, welches keinerlei neue Erkenntnisse zum Tatvorwurf brachte, nur noch seine Anwälte, seine Experten und die ihm wohl gesinnten Massenmedien, für sich sprechen. Der Angeklagte schweigt beharrlich zu den Vorwürfen. Darüber hinaus verweigert er bis heute jegliche freiwillige-aktive Kooperation mit der „seinen Fall“ untersuchenden Kammer.

Ich habe mich gefragt, wie würde ich reagieren, was würde ich tun und lassen, wenn ich wüsste, dass ich völlig zu Unrecht einer Sache angeklagt vor Gericht stehe? Wäre es für die über-überwiegende Mehrheit unter uns nicht so, dass allein der Versuch eines anderen Menschen, uns zu Unrecht etwas anzuhängen, uns und unseren Familien böswillig Schaden zuzufügen, genügt, um jedem Nichtstoiker augenblicklich den Blutdruck hoch steigen zu lassen, unseren Verstand für unseren Gegenschlag zu schärfen und in uns eine volle emotionale Beteiligung, sprich geistige Wachheit, zu erzeugen? Wer von uns könnte in dieser Ausnahmesituation noch ruhig bleiben, wer möchte da weiterhin ernsthaft schweigen und abwarten? Ich könnte es nicht. Selbst wenn unser Vertrauen in den Rechtsstaat durch Negativbeispiele vorbelastet wäre, wer von uns wollte und könnte allein deswegen vor Gericht schweigen, wohl wissend, das er, anders als seine Ankläger, nichts zu verbergen hat?

Wer nicht schon durch das lähmende Bewusstsein ein „zwanghafter Lügner“ oder „unverbesserlicher Krimineller“ zu sein, schachmatt gesetzt wurde, wer auch nicht durch die, von den Medien suggerierte Verschwörungsparanoia, ohne Hoffnung und Glauben an die Gerechtigkeit paralysiert danieder liegt, wer an keiner psychisch-geistigen Behinderung leidet, wer also Herr seiner Sinne und im Besitz eines guten Gewissen ist, der kann und wird nicht anders können, ER WILL REDEN. Er wird als integere Mensch dem Gericht offen und spontan Rede und Antwort stehen, indem er die Bemühungen des Gerichtes die Wahrheit ans Licht zu bringen, nach bestem Wissen und Gewissen unterstützt, wohl wissend, das er sich vor keinem Richter und keinem Gutachter zu scheuen braucht. Wer ein „gutes Gewissen“ sein eigen nennt und fähig ist zu reden, der braucht wahrscheinlich keine Heerschar von cleveren Anwälten, weil er selber motiviert und sehr gut in der Lage ist, mit den Waffen des Wortes in der einen und dem Bewusstsein einer „höheren Gerechtigkeit“ in der anderen, den guten Kampf des Glaubens für Wahrheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Er wird sich durch nichts und niemanden einschüchtern lassen, noch wird er vor Gericht schweigen und einlenken, bis seine Widersacher ihrer Lüge und Bosheit überführt wurden – und er als ein freier, in allen Anklagepunkten gerechtfertigter Mann / Frau, das Gerichtsgebäude verlassen kann.

Das, meiner Ansicht nach einzige Szenarium, in dem es durchaus Sinn macht als Angeklagter vor Gericht zu schweigen, ist dann gegeben, wenn wir „gute Gründe“ haben, die uns zu Recht befürchten lassen, dass uns unsere Aussage und unsere Kooperation mit dem Gericht, selber schwer belasten könnten. Dann gilt das alte Sprichwort: „Reden ist Silber, aber Schweigen ist Gold“. Allerdings könnte dieses Schweigen auch allzu leicht falsch (besser: richtig) verstanden werden. Es soll schliesslich keiner merken, dass wir nur deshalb schweigen, weil wir in Wahrheit etwas zu verbergen haben.

Wie können wir diesem logischen Prestige-Dilemma entkommen?

Der mündige Leser weiss wahrscheinlich schon, welches Puzzle-teil in diesem Bild fehlt?! Was haben wir denn in den Medien über die vergangenen Wochen erlebt? Mehrere theatralisch inszenierte Befangenheitsanträge gegen das Gericht und die voraussehbare Ablehnung voreingenommener Experten der Verteidigung, verbunden mit entsprechend „aufgebrachten“ Medienauftritten der Verteidigung des Angeklagten, welche diese „negativen“ Entscheidungen des Gerichts als willkommenen Anlass benutzten, dem für viele nicht nachvollziehbaren „seltsamen Schweigen des Angeklagten“, endlich eine vermeintlich zusätzliche, öffentliche Legitimation zu verschaffen. Auf diese professionell arrangierte Weise, in „enger“ Zusammenarbeit zwischen Medien und Anwälten, lässt sich sogar aus dem „seltsamen“ Schweigen des Angeklagten Gold machen. Ob dieses aufwendige „Gold-schürfen“ dem Angeklagten allerdings (anders als seinen Anwälten, Experten und den Medien) am Ende auch praktischem Nutzen bringen wird, bleibt abzuwarten. Ich persönlich glaube es nicht.

Für alle anderen Fälle (siehe oben) sollte gelten: „Schweigen ist Silber, aber REDEN IST GOLD“.

Ich hoffe, den meisten Lesern haben sich beim Lesen dieser Argumentation mehrfach die Nackenhaare gesträubt.

was Juristisches

Posted in Uncategorized on November 25, 2010 by lawen4cer

„Das ist ja mal richtig was Juristisches“ eröffnete der Amtsrichter seine „Einführung in den Sach und Streitstand“. Er schien sich richtiggehend darüber zu freuen. Zeigte sich dann aber mit der Lösung leider doch etwas überfordert.

Das Landgericht hat den Fehler dann zum Glück korrigiert. Die bei der Terminierung vom Gericht optimistisch angesetzte Verhandlungsdauer war 20 Minuten. Wir brauchten dann doch 1 Stunde.

Den säuerlich wartenden Anwälten der folgenden Termine erklärte die Vorsitzende hinterher entschuldigend, es sei in der Sache „leider um etwas juristisches“ gegangen.

Jetzt frage ich mich, was machen die dort eigentlich sonst den ganzen Tag? Ort des Geschehens war die wilde ostdeutsche Provinz.

Fall Kachelmann: Alice Schwarzer soll zahlen

Posted in Uncategorized on November 23, 2010 by lawen4cer

Die Hetzkampagne äh… engagierte Berichterstattung gegen den derzeit angeklagten ehemaligen Wettermoderator Jörg Kachelmann wird zum Bummerang für BILD-Reporterin Alice Schwarzer.

Im Rahmen ihrer Prozessberichterstattung für die BILD Zeitung, bei der sie nach eigenem Bekunden die Perspektive des Opfers vertreten wollte hatte sie dreist gelogen wahrheitswidrig behauptet, der Anwalt von Kachelmann habe das angebliche Opfer als „Stalkerin“ bezeichnet.

Peinlich genug mußte die BILD daraufhin eine Gegendarstellung abdrucken.

Zusätzlich soll das Landgericht Köln am 28. Oktober eine einstweilige Verfügung gegen Frau Schwarzer erlassen haben. Diese hielt Frau Schwarzer jedoch scheinbar nicht davon ab die wahrheitswidrigen Behauptungen auch weiterhin über ihr Blog und ihre Zeitschrift EMMA zu verbreiten. Folgerichtig hat der Kollege Birkenstock nun vor dem Landgericht Köln die Festsetzung eines Ordnungsgeldes beantragt.

An anderer Stelle dagegen wird vermeldet, Frau Schwarzer müsse 5.000,- Euro an den Kollegen Birkenstock zahlen, welche dieser dann zu spenden gedenke. Da es sich bei diesen 5.000,- EURO nicht um das besagte Ordnungsgeld handeln kann (denn das müßte Frau Schwarzer nicht an den Kollege Birkenstock zahlen), ist davon auszugehen das Frau Schwarzer nicht nur gegen die einstweilige Verfügung des Landgerichts, sondern zusätzlich auch gegen eine strafbewehrte Unterlassungserklärung verstoßen hat.

Das wird nicht billig…

we are not in Kansas anymore

Posted in Uncategorized on November 22, 2010 by lawen4cer

Der Fachkräftemangel scheint endlich auch den juristischen Arbeitsmarkt erreicht zu haben. Die junge Generation von Akademikern hat es daher nunmehr auch nicht mehr nötig sich den früher herrschenden unmenschlichen Arbeitsbedingungen zu unterwerfen, nur um einen Job zu bekommen.

So äußerten denn viele Kommentatoren auf meine Beschreibung des dead man walking echt erstauntes Unverständnis und offene Ablehnung, dass in unserer Folterkammer von Kanzlei noch immer am unzumutbaren Instrument der sog. „Probezeit“ festgehalten wird. Noch dazu nicht nur augenzwinkernd pro forma, sondern mit der realen Chance als Berufsanfänger tatsächlich gewogen unnd für zu leicht befunden zu werden.

Auch dass es in größeren Firmen jenseits des Facebook-Accounts Netzwerke, Seilschaften und Büroklatsch geben könnt,e erscheint dem modernen künftigen Arbeitnehmer psychisch nicht mehr hinnehmbar.So versichern sich jene Kommentare gegenseitig, unter solchen Bedingungen sei eine law firm absolut ohne Reiz für sie, als geistig gesunder Mensch könne man so nicht arbeiten.

Dem könnte man jetzt leichtfertig entgegenhalten, dass es sich dabei vermutlich um junge Leute handelt, die den ersten Kontakt mit der rauhen Realität des Arbeitsmarktes – zumindest theoretisch – noch vor sich haben – aber nein. Wer tatsächlich eine Festanstellung ohne vorherige Probezeit sondern mit garantierter Festanstellung möchte – und das noch in einem Umfeld, wo Büroklatsch nicht existiert, der ist als Bewerber z.B. beim Kollegen Hoenig gern gesehen.

old fashioned

Posted in Uncategorized on November 19, 2010 by lawen4cer

dead man walking

Posted in Uncategorized on November 18, 2010 by lawen4cer

Ein Gespenst geht um in der Kanzlei. Der neue Associate wird die Probezeit nicht überstehen sagt die Gerüchteküche. Die Partner sind nicht zufrieden.

Er selbst weiss wohl noch nichts davon, denn neben mangelhafter Leistung hat er es auch nicht geschafft sich innerhalb der Kanzlei sein eigenes Netzwerk aufzubauen. Ein solches Netzwerk ist jedoch überlebenswichtig, denn es versorgt einen mit den notwenigen Informationen über Frontverläufe, schwelende Konflikte, Bündnisse und Fehden.

Die sich langsam verbreitende Information, dass der Neue nun in Ungnade gefallen ist, macht aus ihm eine persona non grata. Niemand investiert noch in ein sinkendes Schiff.